Fachlich geprüft von Steffen Schweyher, Geschäftsführer · Stand
Mehr als die Hälfte des Klärschlamms aus Baden-Württemberg wurde 2023 in Zementwerken und Kohlekraftwerken mitverbrannt. Ab 2029 ist das für die meisten kommunalen Schlämme nur noch möglich, wenn der Phosphor vorher auf der Kläranlage zurückgewonnen wurde, und Kohlekraftwerke gehen nach und nach vom Netz.
Für die Kläranlagen zwischen Neckar, Kocher und Jagst heißt das: Zwei der vier Wege, über die das Land seinen Klärschlamm bisher verbrennt, stehen ab 2029 nicht mehr oder nur noch eingeschränkt offen. Wer im Raum Heilbronn eine Kläranlage betreibt, sollte deshalb wissen, wohin sein Schlamm heute fährt, wann der Vertrag endet und was er für die Zeit nach 2028 vorsieht.
Wohin der Schlamm bisher geht
Baden-Württemberg verbrennt seinen Klärschlamm fast vollständig. 2023 gingen nach Zahlen des Statistischen Landesamts rund 41 Prozent in Zementwerke, 17 Prozent in Kohlekraftwerke und 12 Prozent in Müllverbrennung und andere Feuerungen. Nur rund 27 Prozent landeten in Anlagen, die ausschließlich Klärschlamm verbrennen, im Regierungsbezirk Stuttgart waren es rund 40 Prozent. Ein Drittel des Schlamms verließ das Land.
Was sich 2029 ändert
Ab dem 1. Januar 2029 muss aus Klärschlamm mit 20 Gramm Phosphor oder mehr je Kilogramm Trockenmasse der Phosphor zurückgewonnen werden. Das trifft laut Umweltministerium mehr als 90 Prozent der kommunalen Schlämme im Land. Die Mitverbrennung im Zementwerk ist für sie dann nur noch nach vorheriger Rückgewinnung auf der Kläranlage möglich, und das Ministerium erwartet, dass dieser Weg nur in Einzelfällen genutzt wird (Antwort des Umweltministeriums an den Landtag vom 20. Februar 2025, Drucksache 17/8219).
Übrig bleibt die Monoverbrennung mit Rückgewinnung aus der Asche. Dafür reicht die Kapazität nicht. Im Land fallen jährlich etwa 230.000 Tonnen Trockenmasse an, die vorhandenen Monoverbrennungsanlagen fassen etwa 84.000 Tonnen. Selbst wenn alle geplanten Anlagen gebaut werden, fehlen nach derselben Drucksache rund 60.000 Tonnen im Jahr, also zwei bis drei weitere große Anlagen. Für den Raum Heilbronn und Hohenlohe hält das Ministerium fest, dass dort auf kommunale Zweckverbände verzichtet und auf private Anlagen gesetzt werde.
Was das für eine kleine Kläranlage heißt
Ein Teil der Region hat die Frage nach dem Weg schon beantwortet. Für 19 Kläranlagen in Stadt- und Landkreis Heilbronn ist die thermische Entsorgung nach der Klärschlammverordnung gemeinsam vergeben, von Anfang 2025 bis Ende 2034. Zusammen sind das rund 38.500 Tonnen entwässerter Schlamm oder rund 10.300 Tonnen Trockenmasse im Jahr, so die Vorinformation im EU-Amtsblatt vom März 2024. Für diese Anlagen zählt bis 2034 vor allem, wie viele Tonnen abfahren. Wer nicht dabei ist, steht vor der eigenen Vergabe; was dabei zu beachten ist, steht im Beitrag Mobile Schlammentwässerung ausschreiben.
Die Pflicht hängt am Phosphorgehalt und nicht an der Größe der Anlage. Eine Anlage bis 50.000 Einwohnerwerte darf ihren Schlamm zwar weiter bodenbezogen verwerten, im Land wird dieser Weg aber seit Jahren praktisch nicht mehr genutzt. Was die Klärschlammverordnung im Einzelnen verlangt, steht im Beitrag Klärschlammverordnung für kleine Kläranlagen.
Drei Dinge lassen sich jetzt klären. Das erste ist der Phosphorgehalt des eigenen Schlamms, gemessen 2023 und erneut 2027. Das zweite ist das Ende des Entsorgungsvertrags und ob er einen Weg für die Zeit nach 2028 nennt. Das dritte ist die Menge, die überhaupt abfährt: Die Verbrennung rechnet nach Tonnen entwässertem Schlamm, und jeder Prozentpunkt TS im Austrag senkt diese Zahl. Was ein Prozentpunkt TS in Euro ausmacht, rechnet unser Kosten-Beitrag für 5.000 und 10.000 Einwohner vor.
Bei der dritten Frage kommen wir ins Spiel. ES Mobile sitzt in Bönnigheim, an der Grenze zum Landkreis Heilbronn, und arbeitet seit 1966 auf den Kläranlagen der Region. Wir übernehmen gern nur die mobile Entwässerung, ohne Entsorgung. Ihr bestehender Entsorgungsvertrag bleibt dann, wie er ist, und es fährt weniger Gewicht ab. Wenn Sie Abfuhr und Verwertung mit vergeben wollen, übernehmen wir auch das: Der Schlamm wird in Biogas- und Trocknungsanlagen in Bayern getrocknet, an einer davon sind wir beteiligt. Den Weg der Verwertung mit Phosphorrückgewinnung gehen wir mit Partnern, er wird im Gespräch geklärt.
Dieser Überblick stützt sich auf Landeswerte und einzelne Vergaben. Wir bringen ihn auf den neuen Stand, sobald sich an den Entsorgungswegen im Land etwas ändert. Wo wir vorrangig im Einsatz sind, steht unter Einsatzgebiet, wohin der Schlamm bei uns geht, unter Klärschlammverwertung. Fragen beantworten wir unter +49 7143 883440 oder inbox@es-mobile.de.
