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Was mobile Klärschlamm­entwässerung kostet und warum es keinen Pauschalpreis gibt

Was Kommunen für mobile Schlammentwässerung und Verwertung öffentlich bezahlt haben, warum der Preis je Kubikmeter täuscht und wovon ein Angebot abhängt.

Lkw von ES Mobile beim Abladen von entwässertem Klärschlamm

Fachlich geprüft von Steffen Schweyher, Geschäftsführer · Stand

Eine Stadt in Nordbaden zahlt für die mobile Entwässerung ihres Klärschlamms 8,40 Euro je Kubikmeter und für die anschließende thermische Verwertung 86,80 Euro je Tonne. Das hat der Gemeinderat im November 2023 für das Jahr 2024 beschlossen, bei rund 1.300 Tonnen Klärschlamm im Jahr und drei Angeboten (Mitteilung der Stadt vom 2. November 2023).

Solche Zahlen sind selten öffentlich, und sie gelten nur für die Anlage, für die sie kalkuliert wurden. Wer wissen will, was die Entwässerung auf seiner Kläranlage kostet, braucht deshalb zwei Dinge: ein Gefühl für die Größenordnung aus veröffentlichten Vergaben und die Faktoren, die den Preis nach oben oder unten schieben. Beides steht hier. Einen Durchschnittspreis nennen wir nicht, weil es dafür keine belastbare Statistik gibt.

Was Kommunen öffentlich bezahlt haben

Vergabepreise stehen in Gemeinderatsberichten und in der Lokalpresse, aber nur vereinzelt. Wir haben vier Fälle aus Baden-Württemberg und Bayern gefunden, in denen ein Preis je Einheit genannt oder aus den Angaben zu errechnen ist.

Ort, JahrLeistungPreisQuelle
Stadt in Nordbaden, 2019mobile Entwässerung und thermische Verwertung, ein Angebot7,15 €/m³ Entwässerung, 91,50 €/t VerwertungLokalpresse, 17.05.2019
Dieselbe Stadt, 2023 (für 2024)wie oben, drei Angebote, rund 1.300 t im Jahr8,40 €/m³ Entwässerung, 86,80 €/t Verwertung, knapp 254.000 € netto im JahrMitteilung der Stadt, 02.11.2023
Stadt in Mittelfranken, 2020Entsorgung von rund 1.800 t entwässertem Schlamm im Jahr, zwei Jahre553.000 € gesamt, rechnerisch rund 154 €/tLokalpresse, 07.10.2020
Stadt in Ostwürttemberg, 2026 (ab 2027)Abtransport und thermische Verwertung, ohne Entwässerung84,32 €/t, vorher 107,93 €/tLokalpresse, 08.10.2026

Der Wert für die Stadt in Mittelfranken ist unsere Rechnung aus Auftragssumme, Laufzeit und Jahresmenge. Ob er Transport und Nebenkosten enthält, sagt der Bericht nicht.

Vier Fälle sind keine Statistik. Sie zeigen aber dreierlei. Der Entwässerungspreis je Kubikmeter liegt in diesen Vergaben im einstelligen Eurobereich. In der nordbadischen Stadt stieg er in gut vier Jahren um 17 Prozent, während die Verwertung dort um 5 Prozent billiger wurde. Und der größere Posten auf der Rechnung ist die Verwertung des entwässerten Schlamms, deren Preis zwischen den Orten um fast das Doppelte auseinanderliegt.

Bundesweit meldet der Fachdienst EUWID im Juni 2026, die Entsorgungspreise für Mit- und Monoverbrennung und für die bodenbezogene Verwertung lägen im Wesentlichen auf dem Niveau des Vorjahres. Entsorgt wurden 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 1,67 Millionen Tonnen Klärschlamm aus kommunalen Anlagen, 82 Prozent davon thermisch.

Was sich 2029 an den Preisen ändert

Für die Zeit ab 2029, wenn die Phosphorrückgewinnung Pflicht wird, gibt es erste Zahlen aus Gemeinderäten. Eine Gemeinde auf der Schwäbischen Alb entsorgt rund 200 bis 250 Tonnen entwässerten Schlamm im Jahr mit etwa 23 Prozent TS und zahlt dafür derzeit 120 Euro je Tonne an einen privaten Dienstleister. Mit dem Beitritt zu einem Zweckverband, dessen Monoverbrennung ab 2029 zur Verfügung stehen soll, rechnet sie mit 210 Euro je Tonne. So steht es im Bericht über die Gemeinderatssitzung vom 21. Mai 2026.

Teurer wird es, wo die Asche zunächst gelagert werden muss, weil noch keine Rückgewinnung bereitsteht. Auf dem ersten Branchendialog im Mai 2024 wurden für die Langzeitlagerung 200 bis 500 Euro je Tonne Asche genannt. Der Statusbericht der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall vom Januar 2026 gibt diese Spanne wieder, schreibt aber selbst, dass sich zu diesen Kosten derzeit nichts Verlässliches sagen lässt.

Warum derselbe Kubikmeterpreis zwei Leistungen sein können

Abgerechnet wird die Entwässerung meist je Kubikmeter Nassschlamm. Wie viel Arbeit in einem Kubikmeter steckt, hängt aber vom Feststoff ab. Bei 2 Prozent Trockensubstanz (TS) enthält ein Kubikmeter rund 20 Kilogramm Feststoff, bei 4 Prozent rund 40 Kilogramm. Die Maschine muss doppelt so viel Feststoff abtrennen, braucht entsprechend mehr Flockungsmittel und liefert doppelt so viel Schlammkuchen, der abgefahren wird.

Nimmt man den Preis der nordbadischen Stadt von 8,40 Euro als Rechenbeispiel, kostet die Entwässerung bei 2 Prozent TS rund 420 Euro je Tonne Trockenmasse und bei 4 Prozent rund 210 Euro. Der Kubikmeterpreis ist derselbe. Ein Anbieter, der beide Schlämme zum selben Satz anbietet, verdient an dem einen und zahlt bei dem anderen drauf. Deshalb steht in seriösen Angeboten ein TS-Bereich, für den der Preis gilt.

Für den Betreiber lohnt die Gegenrechnung. Aus 1.000 Kubikmetern Schlamm mit 3 Prozent TS werden bei 25 Prozent TS im Austrag rund 120 Tonnen, die zur Verwertung fahren. Bei 22 Prozent sind es rund 136 Tonnen. Drei Prozentpunkte weniger im Austrag bedeuten also 16 Tonnen mehr auf der Rechnung des Verwerters, zu den Preisen aus der Tabelle zwischen etwa 1.350 und 2.500 Euro je 1.000 Kubikmeter.

Rechenbeispiel für 5.000 und 10.000 Einwohner

Das Bayerische Umweltministerium rechnet mit rund 18,8 Kilogramm Klärschlamm-Trockenmasse je Einwohner und Jahr. Daraus lässt sich die Größenordnung für eine Gemeinde abschätzen. Die Preise sind die der nordbadischen Stadt aus der Tabelle (2023: 8,40 Euro je Kubikmeter Entwässerung, 86,80 Euro je Tonne Verwertung), also ein Rechenbeispiel und kein Angebot.

EinwohnerTrockenmasse im JahrNassschlamm bei 3 % TSKuchen bei 25 % TSEntwässerungVerwertungzusammen
5.000rund 94 trund 3.130 m³rund 376 trund 26.300 €rund 32.600 €rund 59.000 €
10.000rund 188 trund 6.270 m³rund 752 trund 52.600 €rund 65.300 €rund 117.900 €

Ein Prozentpunkt mehr TS im Austrag, 26 statt 25 Prozent, macht bei 10.000 Einwohnern rund 29 Tonnen weniger Kuchen und spart beim Verwerter zu diesem Preis gut 2.500 Euro im Jahr. Ab 2029 steigt der Wert jedes Prozentpunkts mit dem Preis je Tonne.

Wovon der Preis abhängt

  • TS-Gehalt und Art des Schlamms im Zulauf: Faulschlamm lässt sich anders entwässern als aerob stabilisierter Schlamm, und der Glühverlust zeigt, wie viel organische Substanz noch enthalten ist.
  • Verbrauch an Flockungsmittel, der mit dem Feststoff steigt und vom Schlamm abhängt.
  • Menge je Einsatz: Ob der Lkw für 500 oder für 2.000 Kubikmeter anfährt, verteilt Anfahrt, Auf- und Abbau auf sehr unterschiedliche Mengen.
  • Entfernung zur Kläranlage und zum Verwerter.
  • Verwertungsweg, und ob der Schlamm belastet ist und deshalb nur bestimmte Anlagen ihn annehmen.
  • Bedingungen vor Ort: Stellfläche, Strom, Wasser, Rückführung von Zentrat oder Filtrat, Zugang zum Schlammspeicher.
  • Vertragsform: einzelner Einsatz, fester Turnus über das Jahr oder mehrjähriger Vertrag mit Verwertung.

Wegen dieser Faktoren nennen wir keinen Listenpreis. Wir sehen uns die Anlage an, lassen den Schlamm analysieren und kalkulieren das Angebot für diese eine Anlage. Ein Preis, der bei 2 Prozent TS und 2.000 Kubikmetern stimmt, wäre bei 6 Prozent und 500 Kubikmetern falsch, in beide Richtungen.

Was wir für ein Angebot brauchen

Je genauer die Angaben, desto enger die Kalkulation. Hilfreich sind die Jahresmenge in Kubikmetern, die Menge je Kampagne, eine aktuelle Schlammanalyse mit TS-Gehalt und Glühverlust, die Art der Stabilisierung, der bisherige Verwertungsweg mit seinen Anforderungen und ein Lageplan mit Stellfläche und Anschlüssen. Fehlt die Analyse, nehmen wir bei der Begutachtung vor Ort eine Probe.

Bei Ausschreibungen gilt dasselbe. Stehen TS-Bereich, Mengen je Einsatz und Standortbedingungen in der Leistungsbeschreibung, können Bieter knapper rechnen. Fehlen sie, kalkuliert jeder Bieter einen Sicherheitszuschlag ein. Welche Angaben in die Unterlagen gehören, steht in unserer Checkliste für die Leistungsbeschreibung.

Wie ein Einsatz abläuft und was wir auf der Anlage brauchen, steht unter Mobile Schlammentwässerung. Anfragen nehmen wir unter +49 7143 883440, inbox@es-mobile.de und über das Anfrageformular entgegen; die Begutachtung vor Ort ist kostenlos.

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