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Mobile Schlamm­entwässerung ausschreiben: Was in 37 Bekanntmachungen fehlt

37 Vergabebekanntmachungen ausgewertet: Was Ausschreibungen zur mobilen Klärschlammentwässerung oft fehlt, mit Checkliste für die Leistungsbeschreibung.

Lkw von ES Mobile mit mobiler Hochleistungszentrifuge

Fachlich geprüft von Steffen Schweyher, Geschäftsführer · Stand

In 20 von 37 Bekanntmachungen zur mobilen Klärschlammentwässerung steht keine Schlammmenge. 27 nennen keinen Trockensubstanzgehalt im Zulauf, 36 keine Menge je Einsatz. Das ist das Ergebnis unserer Auswertung von Vergabebekanntmachungen aus den Jahren 2021 bis 2026, überwiegend aus dem EU-Amtsblatt.

Für Bauämter, Zweckverbände und Ingenieurbüros folgt daraus eine einfache Regel. Je genauer Menge, Schlamm und Bedingungen vor Ort beschrieben sind, desto knapper können Bieter rechnen und desto besser lassen sich die Angebote vergleichen. Fehlen die Angaben, preist jeder Bieter das Unbekannte ein, oder er gibt kein Angebot ab. Welche Angaben das sind, steht in der Liste weiter unten.

Zur Einordnung: Wir sind selbst Bieter. Dieser Text zeigt, was wir für eine Kalkulation brauchen, und ersetzt keine vergaberechtliche Beratung.

Was wir ausgewertet haben

Gezählt wurden 37 Verfahren, in denen eine Entwässerung als Dienstleistung ausgeschrieben war, allein oder zusammen mit Transport und Verwertung. Zehn stammen aus Bayern, fünf aus Baden-Württemberg, je vier aus Hessen und Rheinland-Pfalz, die übrigen aus anderen Ländern. Ausgewertet ist der Text der Bekanntmachung. Die vollständigen Vergabeunterlagen liegen auf den Vergabeplattformen und können mehr enthalten. Die Zahlen zeigen also, was ein Bieter erfährt, bevor er die Unterlagen herunterlädt.

Angabe in der Bekanntmachungvorhandenfehlt
Schlammmenge1720
TS-Gehalt im Zulauf1027
Schlammart (Faulschlamm, Überschussschlamm, Stabilisierung)730
Zahl oder Rhythmus der Einsätze532
Menge je Einsatz136
geforderter TS-Gehalt im Austrag532
wer das Flockungsmittel stellt433
Strom, Wasser und Stellfläche des Auftraggebers334
Regelung für den Ausfall der Maschine433
Abrechnungseinheit erkennbar235
Preisgleitklausel037

Wo ein Mindestwert für den Austrag verlangt war, lag er zwischen 22 und 25 Prozent TS, viermal bei 25 Prozent. Die Laufzeiten betrugen meist zwei bis drei Jahre mit Verlängerung um ein bis zwei Jahre. In 23 Verfahren entschied allein der Preis, in neun kam ein zweites Kriterium hinzu, sechsmal die Transportentfernung oder der CO₂-Ausstoß.

Zwei Bekanntmachungen, die es genau nehmen

Ein Markt in Oberbayern beschrieb 2025 schon in der Bekanntmachung, was er verlangt und was er stellt. Der Abscheidegrad muss bei mindestens 98 Prozent liegen und täglich nachgewiesen werden. Der Auftragnehmer bringt Flockungshilfsmittel und eine geeichte Mengenmessung mit, nimmt täglich Proben von Dünnschlamm, Austrag und Filtrat und übergibt Rückstellproben. Die Gemeinde liefert Strom bis 50 Kilowatt und Wasser bis 15 Kubikmeter je Stunde (EU-Amtsblatt, Bekanntmachung 562685-2025).

Eine Stadt in Mittelfranken nannte 2021 rund 6.000 Kubikmeter Nassschlamm im Jahr mit 3,5 bis 5 Prozent Trockenrückstand, zwei Stapelbehälter mit je 1.500 Kubikmetern und Rührwerken, mindestens 25 Prozent im Filterkuchen und zwei bis vier Einsätze zwischen März und Oktober. Gewertet wurde zu 60 Prozent der Preis und zu 40 Prozent die Transportentfernung (EU-Amtsblatt, Bekanntmachung 509949-2021). Mit solchen Angaben lässt sich eine Maschine auswählen und ein Einsatz planen.

Checkliste: Diese Angaben gehören in die Leistungsbeschreibung

  • Jahresmenge Nassschlamm in Kubikmetern je Anlage, mit Schwankungsband
  • TS-Gehalt im Zulauf als Mittelwert und Spanne, dazu Schlammart, Stabilisierung und Glühverlust, mit einer aktuellen Analyse
  • Zahl der Einsätze im Jahr, Menge je Einsatz und gewünschte Monate
  • Volumen des Schlammspeichers, Rührwerke und Entnahmestelle
  • Wohin Zentrat oder Filtrat läuft und wie viel die Anlage je Tag zurücknehmen kann
  • Zielwert für den Austrag mit Messvorschrift: wer misst, wie oft, mit welchem Verfahren, und was bei Unterschreitung gilt
  • Wer das Flockungsmittel stellt und welche Anforderungen der Verwertungsweg daran stellt
  • Stromanschluss in Kilowatt, Wasser in Kubikmetern je Stunde, Stellfläche, Zufahrt und zulässige Arbeitszeiten
  • Frist zwischen Abruf und Beginn, Regel für Noteinsätze und für den Ausfall der Maschine
  • Abrechnungseinheit und Messung, getrennte Preise für Entwässerung, Anfahrt, Transport und Verwertung

Als Vorlage zum Ausfüllen eignet sich ein Datenblatt wie dieses. Die Werte in der rechten Spalte sind ein erfundenes Beispiel und zeigen nur, in welcher Form die Angabe hilft.

AngabeEinheitBeispiel
Jahresmenge Nassschlammm³/a, mit Schwankung6.000 m³/a, ±15 %
TS-Gehalt im Zulauf%, Mittel und Spanne3,5 %, 2,8 bis 4,2 %
Schlammart, StabilisierungTextFaulschlamm
Glühverlust% der TM55 %
Einsätze im Jahr, Menge je EinsatzAnzahl, m³4 Einsätze, je 1.500 m³
Schlammspeicherm³, Rührwerk ja/nein2 × 800 m³, mit Rührwerk
Rücklauf für Filtrat oder Zentratm³/dhöchstens 150 m³/d
Zielwert TS im Austrag, Messung%, wer, wie oft25 %, täglich, Auftragnehmer mit Gegenprobe
Flockungsmittelwer stellt, AnforderungenAuftragnehmer, zugelassen für den Verwertungsweg
Strom, Wasser, StellflächekW oder A, m³/h oder Anschluss, m × m63 bis 125 A je nach Maschine, C-Anschluss, 20 × 20 m
Frist zwischen Abruf und BeginnArbeitstagenach Vereinbarung
Abrechnungseinheitm³ Nassschlamm oder t TMm³ Nassschlamm, Messung per Durchflussmesser

Die Arbeitsgruppe KEK-1.5 der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) verlangt in ihrem Arbeitsbericht zur Ausschreibung der Klärschlammentsorgung (Korrespondenz Abwasser, Heft 6/2024) Ähnliches. Bei mobiler Entwässerung seien alle Betriebsmittel und Verbräuche anzugeben, also Arbeitszeiten, Strom, Wasser und Flockungsmittel, dazu die Anschlüsse und die Behandlung des Filtrats nach Qualität, Menge und Entfernung.

Die Abrechnungseinheit verteilt das Risiko

Aus 35 der 37 Bekanntmachungen war nicht zu erkennen, wonach bezahlt wird. Das ist mehr als eine Formalie. Wird je Kubikmeter Nassschlamm abgerechnet, trägt der Bieter das Risiko, dass der Schlamm dicker ankommt als angegeben, denn bei 5 statt 2 Prozent TS steckt das Zweieinhalbfache an Feststoff im selben Kubikmeter. Wird je Tonne Trockensubstanz abgerechnet, liegt dieses Risiko beim Auftraggeber, dafür braucht es eine vereinbarte Probenahme. Beide Wege funktionieren, wenn die Einheit und die Messung im Vertrag stehen. Wie stark der Preis je Tonne Trockenmasse beim selben Kubikmeterpreis schwankt, rechnet unser Kosten-Beitrag vor.

Welches Verfahren unterhalb des EU-Schwellenwerts gilt

Viele Aufträge kleiner Gemeinden erscheinen nie im EU-Amtsblatt, weil sie unter dem Schwellenwert bleiben. Für Liefer- und Dienstleistungen kommunaler Auftraggeber liegt er seit 1. Januar 2026 bei 216.000 Euro ohne Umsatzsteuer. Darunter gelten Landesregeln:

  • In Bayern sind Direktaufträge bis einschließlich 100.000 Euro möglich, Verhandlungsvergabe und beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb bis zum EU-Schwellenwert (Übersicht des Innenministeriums, Stand 1. Januar 2026).
  • In Baden-Württemberg sind Direktaufträge bis 100.000 Euro möglich, beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb und Verhandlungsvergabe bis zum EU-Schwellenwert. Für Kommunen gelten diese Grenzen befristet bis 1. Oktober 2027 (Projektbericht des Staatsministeriums).
  • Für Hessen und das Saarland haben wir die Wertgrenzen nicht geprüft.

Höhere Wertgrenzen erlauben schnelle Vergaben, ersetzen aber nicht die Angaben aus der Liste oben. Wer nur einen oder zwei Anbieter anfragt, bekommt ohne Datenblatt dieselben Sicherheitszuschläge wie in einer offenen Ausschreibung.

Laufzeit und Preisanpassung

Keine der 37 Bekanntmachungen erwähnt eine Preisgleitklausel, fünf schreiben für die Verlängerung „zu gleichen Konditionen“ fest. Bei drei Jahren und einem Jahr Verlängerung trägt der Bieter die Kosten für Flockungsmittel, Diesel und Lohn dann vier Jahre lang allein und rechnet entsprechend vorsichtig. Die DWA empfiehlt Gleitklauseln für längere Laufzeiten, mit einer Formel, die in beide Richtungen wirkt, und nennt Diesel, Lohn und den Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte als bewährte Indizes.

Wer die Verwertung mit ausschreibt, findet Empfehlungen im Statusbericht der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall vom Januar 2026: Verträge über 2029 hinaus, grundsätzlich zehn Jahre mit zweimal fünf Jahren Option, getrennte Preise für Verbrennung und Phosphorrückgewinnung, und für kleine Erzeuger die gemeinsame Ausschreibung mit den Nachbarn. Acht der 37 Verfahren waren bereits solche gemeinsamen Beschaffungen, fünf davon in Bayern.

Unsere Zählung hat eine Grenze. Das EU-Amtsblatt enthält nur Vergaben oberhalb des Schwellenwerts, kleine Gemeinden mit beschränkter Ausschreibung fehlen fast ganz. Für sie gilt die Liste trotzdem, und oft genügt ein Anruf vor der Ausschreibung: Wir sagen, welche Angaben wir für eine belastbare Kalkulation brauchen, unter +49 7143 883440 oder inbox@es-mobile.de. Was die mobile Entwässerung umfasst, steht unter Mobile Schlammentwässerung.

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